Auswandern nach Kambodscha: Visum, Lebenshaltungskosten und mehr

Patrick Woessner am
Auswandern nach Kambodscha
Kambodscha ist ein beliebtes Ziel für Auswanderer. Das bietet tropisches Klima, günstige Lebenshaltungskosten und hat immer noch vergleichsweise geringe Hürden für ein Langzeit-Visum - auch wenn in den letzten Jahren die Stellschrauben angezogen wurden.
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Kambodscha ist ein Land, in dem viele Auswanderer eine neue Heimat gefunden haben.

Viele kamen nach dem Ende vom Roten Khmer Regime, weil sie im vor einem Neuanfang stehenden Kambodscha das Abenteuer suchten.

Auswandern nach Kambodscha ist auch heute noch für viele ein Wunsch.

Die einfache Möglichkeit, ein Langzeit-Visum zu erhalten, und geringe Lebenshaltungskosten machen Kambodscha attraktiv.

7 Fragen an einen Deutschen Auswanderer

Andreas lebt mit seiner Familie seit 2007 in Sihanoukville. Auf dem Auswanderer-Blog Leben in Kambodscha berichtet er über Wissenswertes aus dem Alltag und gibt Tipps für Auswanderer.

Meines Wissens ist der Blog von Andreas der einzige deutschsprachige dieser Art. Deshalb freue ich mich, dass ich Andreas für ein Interview gewonnen konnte 🙂

Interview mit Andreas von Don Kong

Stelle Dich bitte kurz vor.
Ich komme aus Berlin, bin mit einer thailändischen Frau verheiratet und habe mit ihr einen gemeinsamen Sohn. Meine Familie und ich leben in der kambodschanischen Küstenstadt Sihanoukville. Ich treibe viel Sport, interessiere mich für Geschichte und schaue gerne gute Filme.
Weshalb bist Du nach Kambodscha ausgewandert und wohin hat es Dich gezogen?
Ich bin 1999 ursprünglich nach Thailand ausgewandert, wo ich mich auf einer Insel niedergelassen habe. Dies geschah mehr oder weniger spontan, während eines 3-wöchigen Urlaubs, in dem ich entschied, einfach dort zu bleiben. Die Gründe dafür waren zum einen eine tief sitzende Unzufriedenheit mit dem geordneten vorgegebenen Leben in Deutschland, aber auch eine ordentliche Portion Abenteuerlust. Erst 2007 bin ich mit meiner Familie von Thailand nach Kambodscha umgezogen.
Was hat Dich dazu bewogen, Dich in Sihanoukville niederzulassen?
Da ich in Thailand das Meer jahrelang direkt um die Ecke hatte und dies sehr zu schätzen gelernt habe, kam für mich auch in Kambodscha nur die Küste als neuer Wohnort infrage. Die Wahl fiel auf Sihanoukville, weil es die einzige Stadt war, in der es eine internationale Privatschule für unseren Sohn gab.
Womit verdienst Du Deinen Lebensunterhalt in Kambodscha?
Grundsätzlich verdiene ich unseren Lebensunterhalt als Webmaster im Internet. Parallel dazu habe für einen großen international operierenden Modeschmuckhersteller aus Thailand hier in Sihanoukville eine Produktion aufgebaut und diese 4 1/2 Jahre lang geleitet. Als Folge der Weltwirtschaftskrise musste das Unternehmen seine Operation in Kambodscha jedoch einstellen, sodass ich mich wieder voll und ganz auf meine Tätigkeit am Computer konzentriert habe.
Sprichst Du Khmer? Wenn nein, gibt es nennenswerte Nachteile dadurch für Dein Leben in Kambodscha?
Nein, ich spreche kein Khmer und nennenswerte Nachteile hat es bisher dadurch für mich auch noch nicht gegeben. Khmer ist für die meisten westlichen Ausländer nicht einfach zu erlernen und viele Kambodschaner hier sprechen Englisch, sodass man auch ohne gut zurechtkommen kann. Es ist aber ganz klar, dass es Vorteile hätte, wenn ich es könnte.

Planst Du, bis auf weiteres in Kambodscha zu leben oder kannst Du Dir vorstellen, bald weiterzuziehen
Natürlich mache ich mir ab und zu Gedanken darüber, wie die Zukunft aussehen wird. Kambodscha ist kein stabiles Land und ich habe gelernt, dass sich die Dinge in Südostasien schnell ändern können. Sollte in Kambodscha aber alles so bleiben wie bisher, sehe ich momentan keinen Grund hier wegzuziehen.
Zu guter Letzt: Was ist der wichtigste Tipp, den Du einem Kambodscha-Auswanderer mit auf den Weg geben würdest?
Wer keine Rente bezieht, oder andere regelmäßige Einnahmen hat, der sollte auf jeden Fall genug Geld und einen guten Plan im Gepäck haben. Ohne ausreichende finanzielle Mittel ist der Traum von einem neuen Leben in den Tropen schnell wieder vorbei.

Visum, Arbeitserlaubnis und Lebenshaltungskosten in Kambodscha

Visum / Aufenthaltsgenehmigung für das Leben in Kambodscha

Die Hürden, eine Aufenthaltsgenehmigung in Kambodscha zu erhalten, sind sehr niedrig. Auswandern ist von der bürokratischen Seite her vermutlich nirgends einfacher.

Kambodscha bietet ein Business-Visum an. Das gibt es entweder bei der Kambodschanischen Botschaft in Deutschland oder sogar als Visa-on-Arrival an den Flughäfen Siem Reap und Phnom Penh.

Die Besonderheit: Ein geschäftlicher Zweck der Reise muss nicht zwingend vorliegen.

Investitionen oder Gründung von einem Unternehmen, Nachweise zu Einkommens- oder Vermögensverhältnissen, ein Einladungsschreiben oder andere bürokratische Hürden gibt es beim Business-Visum für Kambodscha nicht.

Ein mindestens sechs Monate gültiger Reisepass, eine freie Seite für das Visum und ein Passbild sind neben dem ausgefüllten Antrag ausreichend.

Das Business-Visum wird für zunächst dreißig Tage erteilt, kann dann aber direkt in Kambodscha um bis zu weitere zwölf Monate verlängert werden. Das geht beliebig oft.

Jedoch: Für das EB-Visum (Verlängerung 6 Monate oder 12 Monate) wird mittlerweile eine gültige Arbeitsgenehmigung (Work Permit) gefordert und auch begonnen, überprüft zu werden.

Die Arbeitsgenehmigung (Work Permit) gibt es zwar vergleichsweise einfach, jedoch müssen sich Auswanderer auf diese zusätzliche bürokratische Hürde einstellen.

Nicht betroffen sind Verlängerung auf ein EG-Visum (arbeitssuchend), ER-Visum (Rentner-Visum) und ES-Visum (Studenten-Visum). Hier ist eine Arbeitsgenehmigung (Work Permit) entbehrlich.

Aktuell wird aus Kambodscha berichtet, dass die Voraussetzungen für die einzelnen Visa-Typen noch nicht streng überwacht werden.

So soll es den ein oder anderen Rentner in Kambodscha geben (ER-Visum), der das 30. Lebensjahr noch nicht abgeschlossen hat 😉

Jedoch ist zu erwarten: Künftig werden die Voraussetzungen für das Visum wohl strenger kontrolliert. Für einen Rentner in Kambodscha dürfte das heißen: Nachweise über den Rentner-Status z.B. in Form von Rentenbescheiden dürften erwartet werden.

Die Verlängerung auf ein Jahres-Visum kostet ca. 300 US$.

Arbeitserlaubnis zum Arbeiten in Kambodscha

Auswandern in Kambodscha
Leben und Arbeiten in Südostasien – für viele ein Traum

Auch eine Arbeitserlaubnis ist vergleichsweise einfach zu bekommen.

Voraussetzung ist ein gültiges Business-Visum.

Mit Reisepass, Passbildern und einem Gesundheitszeugnis von einem Kambodschanischem Amtsarzt stellt dann das Arbeitsministerium die Arbeitsgenehmigung aus.

Es gibt nur wenige regulierte Berufe, bei denen das nicht ohne weiteres möglich ist.

Mittlerweile kann die Arbeitsgenehmigung (Work Permit) über ein Online-Portal beantragt werden.

Die Arbeitsgenehmigung gilt für ein Jahr und kann anschließend neu beantragt werden.

Nun musst Du Dir keine Illusionen machen, dass Kambodscha einen florierenden Arbeitsmarkt mit gut bezahlten Jobs für Auswanderer bereithält.

Wer Auswandern möchte, braucht einen guten Plan.

Nur Hilfsorganisationen und NGOs beschäftigen im größeren Stil Ausländer in Kambodscha. Das sind meist befristete Expat-Verträge.

Die meisten Auswanderer betreiben ihr eigenes Unternehmen oder haben andere Einkünfte. Die beliebteste Branche ist der Tourismus und so gibt es viele Auswanderer, die ein Restaurant, ein Guesthouse oder eine Bar haben.

Die vielen Touristen, die Angkor Wat besuchen, machen vor allem Siem Reap zu einem beliebten Ort für Ausländer, um ein eigenes Business in Kambodscha zu starten.

Doch hier ist zu beachten: Der Wettbewerb ist groß und letztlich benötigt der Auswanderer, der dauerhaft Erfolg haben will, ein gutes eigenes Geschäftskonzept.

Lebenshaltungskosten in Kambodscha

Leben in Kambodscha ist günstig. Natürlich kommt es immer darauf an, welchen Lebensstandard Du erwartest.

Die beliebtesten Auswanderer-Städte in Kambodscha sind Phnom Penh, Siem Reap und Sihanoukville.

Ein einfaches Studio-Apartment gibt es ab 150 US$ pro Monat. Da sind Strom, Wasser und Internet bereits einberechnet.

Sihanoukville ist sehr günstig, Siem Reap etwas teurer und in der Hauptstadt Phnom Penh fallen die höchsten Mieten an.

Öffentlicher Nahverkehr ist Fehlanzeige in Kambodscha. Zumindest faktisch.

Für Dein Leben in Kambodscha benötigst Du deshalb mindestens ein Motorrad, um von A nach B zu kommen. Dafür fallen noch einmal 20 US$ Spritkosten im Monat an.

Essen in lokalen Restaurants gibt es ab 2 US$ pro Mahlzeit. Bist Du sparsam unterwegs und kochst häufig selber, kommst Du mit 200 US$ Haushaltsgeld über die Runden.

Im Supermarkt sind Waren für den täglichen Gebrauch ein wenig teurer als in Nachbarländern. In Kambodscha wird einfach wenig selbst produziert und die Logistikkosten durch die marode Infrastruktur treiben die Preise ein wenig nach oben.

Macht summa summarum 370 US$ Lebenshaltungskosten pro Monat.

Das ist das Notwendigste. Was noch fehlt, ist soziale Absicherung.

Das Gesundheitssystem von Kambodscha ist bescheiden. Guten Behandlungsstandard bieten die wenige private Kliniken.

Um gegen etwaige Behandlungskosten abgesichert zu sein, macht eine internationale Krankenversicherung Sinn. Die gibt es je nach Anbieter und Alter des Versicherungsnehmer ab ca. 100 US$ pro Monat.

Patrick WoessnerAutor
Ich bin Patrick (32) und ich bin viel unterwegs. Der Reiseblog Trip Angkor ist nach der zweiten Kambodscha-Reise entstanden. Mittlerweile sind es noch noch einige mehr Reisen dorthin geworden. Mit der Zeit bin ich so etwas wie ein Kambodscha-Experte geworden und teile hier meine Erfahrungen.
Mehr Infos zu mir gibt es hier bei Trip Angkor auf der oder auch auf meiner Persönlichen Webseite.
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